Das Puzzle

Seit ein paar Jahren haben wir so eine Art neue Tradition: In der Winterzeit knoble ich zusammen mit meinem Mann an einem tausend Teile Puzzle. Dabei haben die Motive in der Regel etwas mit Orten zu tun, die wir mal besucht haben. Kürzlich konnte ich schließlich das 1000. Teil an den richtigen Ort eines Puzzles legen, das ich zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte.
Begonnen hat es allerdings ganz anders: Schachtel auf, Puzzleteile raus und dann erst mal alle umdrehen und sortieren. Schon das dauert bei 1000 Teilen eine ganze Weile. Danach beginnen wir üblicherweise mit dem Rand – da sind wir uns einig – und bekommen so ein Gefühl für die Größe des Puzzles. Dies vollbracht ist allerdings unsere Vorgehensweise recht unterschiedlich. Während mein Mann sich sehr an der Vorlage orientiert und jeweils ein Teil in die Hand nimmt und versucht herauszufinden, wo dieses Teil auf der Vorlage zu finden ist, bin ich eher diejenige, die nach Farbe und Form der einzelnen Teile das Puzzle zusammensetzt und nur ab und zu die Vorlage konsultiert.

Irgendwie ist es im Leben genauso. Jeder von uns hat sein Leben – die Form ist unter anderem vorgegeben durch unsere Gaben, unseren Charakter, unsere Prägung. Aber was wir daraus machen und wie wir es gestalten ist doch sehr unterschiedlich. Der eine braucht feste Regeln, immer sichere Leitplanken, ist wenig risikobereit, während der andere sich eher an den Gegebenheiten orientiert und nimmt, was ihm gerade vorgelegt wird. Ist das eine nun falsch und das andere richtig? Wohl kaum. Vermutlich liegt es eher an mir zu lernen, dass der andere anders tickt und deshalb eine andere Herangehensweise an sein Leben hat. Nicht falsch, nur anders. Das trifft bestimmt nicht auf alle Lebenslagen zu und wir tun gut daran uns hier und da von anderen korrigieren zu lassen, aber grundsätzlich dürfen wir wohl alle lernen, weniger uns selbst zum Maßstab zu nehmen und den anderen sein Ding machen zu lassen. Würde uns das nicht zu verständnisvolleren Menschen machen?

Disclaimer: Glücklicherweise ist unser Leben natürlich, anders als ein Puzzle, nicht so zu verstehen, dass wir am Ende ein bereits vorher fertig gestaltetes Bild zusammensetzen müssen, hier hinkt der Vergleich zu einem Puzzle natürlich. Wir haben viel Freiraum unser Leben zu gestalten. Wie gestaltest du deines?

Die Übermittlung kann ein wenig Zeit in Anspruch nehmen. Danke für deine Geduld.