Die Kehrseite der Medaille
Ich muss hier ein Geständnis machen:
Ich bin mit der großen Gabe der Imagination beschenkt. Also mit viel Vorstellungskraft und Phantasie. Und das ist was Wunderbares. Es ermöglicht mir kreativ zu werden, mir Dinge auszudenken. Ich habe in früheren Jahren beispielsweise unzählige Theaterstücke geschrieben (https://ermutigungsblog.de/mehr/) und dabei vor meinem inneren Auge gesehen, wie sich das Theaterstück auf der Bühne entfaltet, lange bevor irgendein Schauspieler seinen Fuß auf eine Bühne gesetzt hat. Soweit so gut.
Leider, wie so oft, hat auch diese Gabe ihre Schattenseiten, besonders dann, wenn die Phantasie im wirklichen Leben zuschlägt. Und hier komme ich auf mein Geständnis zurück: Ich bin ein Katastropierer. Kürzlich war es mal wieder so weit. Ich hatte von meiner Tochter eine Weile nichts gehört und fing an mir Sorgen zu machen. Begabt wie ich bin, kam mir dabei gleich auch meine Imagination zur Hilfe und mein Kopf malte sich die wildesten Schreckensszenarien aus. Darin bin ich wirklich gut. Mit der Menge an schlimmen Vorfällen, Unfällen, Krankheiten, Katastrophen und wildesten Ereignissen, die meine Phantasie sich bereits ausgedacht hat, könnte ich Bücher füllen. Mein Mann kennt das schon und als meine Tochter an jenem Tag eine Weile vom Radar verschwunden war, meinte er: „Deine Vorstellungskraft ist schlimmer, als jede Realität jemals sein könnte.“ Wo er Recht hat …
Was also tun? Ich werde aller Wahrscheinlichkeit nach diese „Gabe“ nie loswerden. Die positive Seite davon will ich ja auch gar nicht loswerden. Mir persönlich hilft es, wenn sich die negative Version dieser Phantasie mal wieder zu Wort meldet, bewusst die Realität in mein Denken einzulassen und das Ereignis für mich persönlich zunächst mal zu rationalisieren. Wie wahrscheinlich ist das, was du dir gerade ausmalst? Was könnte sich rein theoretisch ganz praktisch dahinter verbergen (Handy aus, beschäftigt etc.)? Solche Fragen helfen mir ein wenig, handelt es sich bei meinen Schreckgespenstern ja meistens um Gedanken, die sich im Bereich der Spekulation bewegen.
Und dann ist da noch der Faktor Gott. Der Gott, der, anders als ich, die Zukunft genau kennt, der an jedem Tag zu 100% den Überblick und die Kontrolle über alle Ereignisse hat, die mir begegnen, auch wenn er nicht zwingend immer die Kontrolle übernimmt. Diesem Gott immer und immer wieder das hinzulegen, was in meinem Kopf sein Unwesen treibt, hilft mir „runterzukommen“. Er sagt: Seid still und erkennet, dass ich Gott bin. Psalm 46,11 (Luther 2017). Also tief durchatmen und erst mal still werden …